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3-Dart-Average als Wett-Indikator - Was die Zahl wirklich verrät

Updated September 2026
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Drei Dartpfeile stecken dicht beieinander im Dartboard mit sichtbarer Dreifach-20-Zone

98,4 – diese Zahl hat mich einmal eine Wette gekostet. Ein Spieler mit einem Turnierdurchschnitt von 98,4 Punkten pro Aufnahme, eine beeindruckende Zahl, die auf ein souveränes Match hindeutete. Was der Average nicht verriet: Dieser Spieler checkte nur 28 % seiner Doppelwürfe. Er scorte wie ein Champion und finishte wie ein Anfänger. Der 3-Dart-Average ist die am häufigsten zitierte Kennzahl im Darts – und gleichzeitig die am häufigsten fehlinterpretierte. Auf Weltklasse-Niveau liegt er bei 100 Punkten und darüber, das Mittelfeld der PDC-Tour pendelt zwischen 90 und 95. Diese Zahlen sind der erste Blick auf die Leistung eines Spielers, aber wer beim ersten Blick stehen bleibt, wettet im Halbdunkel.

Die Grundlagen stehen in unserem Darts-Wetten-Guide.

Wie wird der 3-Dart-Average berechnet?

Klingt simpel – ist es auch. Der 3-Dart-Average ist die Summe aller geworfenen Punkte geteilt durch die Anzahl der Aufnahmen, multipliziert mit drei. Wenn ein Spieler in einem Leg insgesamt 501 Punkte mit 15 Pfeilen abräumt, liegt sein Average für dieses Leg bei 501 / 5 Aufnahmen * 3 = 100,2. Bei einer Aufnahme werden drei Pfeile geworfen, daher der Name.

Der Match-Average ist der Durchschnitt über alle Legs des Matches. Hier wird es für Wetter relevant: Ein hoher Average im ersten Leg sagt wenig über das gesamte Match, weil Spieler im Laufe eines langen Matches schwanken. Ein Spieler kann die ersten drei Legs mit einem Average von 108 beginnen und die letzten drei mit 88 beenden – sein Match-Average liegt dann bei 98, was respektabel klingt, aber die Schwäche in der Endphase verbirgt.

Was der Average nicht zeigt: die Verteilung der Punkte innerhalb eines Legs. Ein Average von 95 kann bedeuten, dass ein Spieler konstant 95 pro Aufnahme erzielt – oder dass er zwischen 60 und 130 pro Aufnahme schwankt. Für den Wetter ist die Konsistenz mindestens so wichtig wie der Durchschnitt. Ein Spieler mit konsistentem 95er-Average hält seinen Anwurf zuverlässiger als einer, der zwischen 60 und 130 pendelt – und der Anwurfshalt ist der wichtigste Faktor für Over/Under-Wetten auf Total Legs.

Ein Detail, das in der Diskussion über den Average oft vergessen wird: Das Checkout selbst senkt den Average. Wenn ein Spieler auf Rest 40 steht und mit einem Pfeil auf Doppel 20 checkt, zählt diese Aufnahme als 40 Punkte – obwohl er das Leg gewonnen hat. Ein effizienter Finisher hat also paradoxerweise einen leicht niedrigeren Average als ein Spieler, der seine Checkouts regelmäßig verpasst und dadurch weitere Scoring-Aufnahmen bekommt. Dieses statistische Artefakt erklärt, warum manche Spieler mit einem Average von 96 mehr Legs gewinnen als andere mit einem Average von 99.

First-Nine-Average: Die unterschätzte Kennzahl

Der First-Nine-Average hat meine Wettanalyse grundlegend verändert. Er misst nur die ersten drei Aufnahmen eines Legs – also die ersten neun Pfeile – und eliminiert damit den Checkout-Effekt vollständig.

Warum ist das relevant? Weil die ersten neun Pfeile zeigen, wie aggressiv und präzise ein Spieler scort, ohne durch die Checkout-Phase verzerrt zu werden. Ein Spieler mit einem First-Nine-Average von 105 und einem Match-Average von 97 ist ein starker Scorer mit Schwächen im Finish. Ein Spieler mit einem First-Nine von 95 und einem Match-Average von 97 ist ein durchschnittlicher Scorer mit einem exzellenten Finish. Für unterschiedliche Wettmärkte sind diese Profile entscheidend: Der starke Scorer ist besser für 180er-Over-Wetten, der starke Finisher besser für Checkout-Wetten.

Der 3-Dart-Average auf Weltklasse-Niveau – 100+ – spaltet sich im First-Nine-Average oft auf: Die besten Power-Scorer erreichen First-Nine-Werte von 108 bis 115, während ihr Match-Average durch Checkout-Aufnahmen auf 100 bis 104 sinkt. Spieler mit einem niedrigeren First-Nine von 95 bis 100 können trotzdem einen respektablen Match-Average halten, wenn sie effizient finishen. Diese Differenz zwischen First-Nine und Match-Average ist ein Indikator, den die Buchmacher in ihren Quotenmodellen nicht immer vollständig berücksichtigen.

Was der Average nicht zeigt – Schwächen der Kennzahl

Luke Littler hat bei der WM 2026 nur 4 Sets in 7 Matches verloren und 73 Maximumwürfe erzielt. Sein Average war herausragend – aber hätte der Average allein diese Dominanz vorhergesagt? Nicht unbedingt, denn der Average hat blinde Flecken, die für den Wetter gefährlich sein können.

Wie sich der Average über die Zeit bewegt, zeigt die Formanalyse.

Der größte blinde Fleck: Der Average ignoriert die Drucksituation. Ein Spieler kann in unkritischen Legs souverän scoren und in entscheidenden Legs – beim Stand von 2-2 in Sets – einbrechen. Der Match-Average zeigt diesen Einbruch nicht, weil er über alle Legs gemittelt wird. Für den Wetter ist die Leistung in Druckmomenten aber der relevanteste Faktor, besonders bei Handicap- und Correct-Score-Wetten.

Ein weiterer blinder Fleck: Der Average berücksichtigt nicht die Stärke des Gegners. Ein Average von 100 gegen einen Qualifikanten hat eine andere Aussagekraft als ein Average von 100 gegen den Weltranglistenersten. In meiner Analyse gewichte ich deshalb den Average nach Gegner-Ranking – ein Average von 95 gegen einen Top-16-Spieler ist wertvoller als ein Average von 100 gegen einen Spieler außerhalb der Top 64.

Und schließlich: Der Average erzählt nichts über die Anpassungsfähigkeit eines Spielers. Manche Spieler haben einen konstanten Average, egal ob sie auf der Bühne oder im Trainingsraum stehen, egal ob das Publikum tobt oder schweigt. Andere schwanken stark mit den Bedingungen. Für die strategische Bewertung einer Darts-Wette ist der Average ein Startpunkt – aber eben nur ein Startpunkt. Wer ihn als Endpunkt behandelt, übersieht die Hälfte des Bildes.

Ein praktischer Tipp aus meiner Analyse-Routine: Ich führe eine einfache Tabelle mit dem Match-Average und dem First-Nine-Average der Top-32-Spieler, aktualisiert nach jedem Major. Die Differenz zwischen beiden Werten ist mein Checkout-Effizienz-Indikator. Ein Spieler, dessen Match-Average drei Punkte unter seinem First-Nine liegt, ist ein effizienter Finisher. Liegt die Differenz bei sieben oder mehr Punkten, deutet das auf Checkout-Probleme hin – ein Signal, das für Handicap-Wetten und Over/Under auf Total Legs besonders relevant ist.

Was mich bei der Analyse von Averages immer wieder fasziniert: Die Zahlen erzählen eine andere Geschichte als das Gefühl beim Zuschauen. Ein Spieler, der auf der Bühne hektisch wirkt und mehrfach am Doppel vorbeigeht, kann trotzdem einen Average von 100 haben, weil sein Scoring überragend ist. Umgekehrt kann ein ruhiger, methodischer Spieler mit einem Average von 92 sein Match souverän gewinnen, weil er seine Doppel mit chirurgischer Präzision trifft. Der Average allein verrät nicht, wie ein Match aussieht – er verrät, wie schnell die Punkte fallen. Und diese Information ist für manche Wettmärkte Gold wert und für andere praktisch irrelevant.

Die Grenzen des Averages als Wett-Indikator werden besonders bei Formatwechseln deutlich. Ein Spieler, der in der Premier League über Wochen einen Average von 100 gezeigt hat, muss das bei der WM im Set-Format nicht reproduzieren. Die längere Matchdauer, die andere Druckverteilung und die Atmosphäre im Alexandra Palace können den Average um drei bis fünf Punkte verschieben – in beide Richtungen.

Was ist ein guter 3-Dart-Average auf Profi-Niveau?
Auf der PDC-Tour gilt ein Average von 100 Punkten und darüber als Weltklasse. Das Mittelfeld liegt bei 90 bis 95 Punkten. Die besten Spieler erreichen bei Majors regelmäßig Averages von 100 bis 110.
Was ist der Unterschied zwischen Match-Average und First-Nine-Average?
Der Match-Average umfasst alle Aufnahmen eines Matches inklusive Checkout-Aufnahmen. Der First-Nine-Average misst nur die ersten drei Aufnahmen pro Leg und zeigt damit die reine Scoring-Stärke ohne den verzerrenden Checkout-Effekt.