170 – Triple 20, Triple 20, Bullseye. Das höchste mögliche Checkout beim Darts ist gleichzeitig der spektakulärste Moment des Spiels und einer der am wenigsten verstandenen Wettmärkte. Ich habe mich lange Zeit gar nicht für Checkout-Wetten interessiert, weil sie mir als zu zufällig erschienen. Dann habe ich angefangen, die Checkout-Frequenzen bestimmter Spieler systematisch zu erfassen, und erkannt: Das Finish ist alles andere als zufällig. Spieler mit einer starken Doppelquote auf Bullseye und hohe Felder treffen hohe Checkouts regelmäßig – und dieser Vorsprung lässt sich in Value umwandeln.
Checkout-Wetten sind ein Nischenmarkt, den die meisten Darts-Wetter ignorieren. Genau deshalb bieten sie Potenzial. Die Buchmacher investieren weniger Ressourcen in die Bepreisung von Nischenmärkten als in den Match Winner oder Total Legs, und wo weniger Präzision in der Quotensetzung herrscht, entstehen Gelegenheiten. Der 3-Dart-Average auf Weltklasse-Niveau mag bei 100 Punkten und darüber liegen – aber der Average sagt nichts darüber, wie ein Spieler die letzten 100 Punkte abräumt.
Welche Checkout-Märkte bieten Buchmacher an?
Letzte WM habe ich bei drei verschiedenen Anbietern nach Checkout-Märkten gesucht und festgestellt: Die Auswahl variiert enorm. Ein Anbieter bot fünf verschiedene Checkout-Wetten pro Match, ein anderer genau eine, der dritte gar keine.
Die wichtigste Erkenntnis aus meiner Marktrecherche: Checkout-Wetten sind am häufigsten bei der WM und beim World Matchplay verfügbar, weil diese Turniere die meisten Legs pro Match produzieren und die Buchmacher daher genügend Datenpunkte haben, um sinnvolle Linien zu setzen. Bei kürzeren Events – Players Championship, European Tour – ist die Stichprobe zu klein, und die Anbieter scheuen das Risiko, Nischenmärkte zu bepreisen, die sie nicht kontrollieren können.
Wer Checkout-Wetten spielen will, braucht Konten bei mindestens zwei oder drei Anbietern, um die besten Quoten und die breiteste Marktauswahl zu finden. Der Quotenunterschied auf Checkout-Märkte zwischen verschiedenen Anbietern kann erheblich sein – ich habe Differenzen von bis zu 0,50 Quotenpunkten auf denselben Markt gesehen, was bei einem 10-Euro-Einsatz 5 Euro Unterschied im potenziellen Gewinn bedeutet.
Die häufigsten Checkout-Märkte sind: Höchstes Checkout im Match – eine Wette darauf, ob das höchste Finish des Matches über oder unter einem bestimmten Wert liegt, typischerweise 100,5 oder 120,5. Dann gibt es den Markt auf das konkrete höchste Checkout, etwa „Wird ein Checkout über 150 geworfen?“ mit deutlich höheren Quoten. Einige Anbieter listen auch spielerbezogene Checkout-Märkte: „Welcher Spieler erzielt das höchste Checkout?“ oder „Erreicht Spieler A ein Checkout über 100?“
Bei Turnieren wie der WM gibt es zusätzlich turnierbezogene Checkout-Märkte: das höchste Checkout des gesamten Turniers, oder ob ein 170-Checkout im Turnierverlauf fällt. Diese Märkte haben eine ähnliche Struktur wie 9-Darter-Wetten – sie summieren die Wahrscheinlichkeit über viele Legs hinweg und werden dadurch berechenbarer als Match-bezogene Checkout-Wetten.
Die Verfügbarkeit dieser Märkte korreliert direkt mit der Turniergröße. Bei der WM, dem World Matchplay und der Premier League sind Checkout-Märkte bei den meisten deutschen Anbietern verfügbar. Bei kleineren Events – Players Championship, European Tour – werden sie selten bis nie angeboten, weil die Nachfrage und die Marktliquidität fehlen.
Checkout-Frequenzen der Top-Spieler als Analysetool
Warum hat ein Spieler mit einem Average von 98 manchmal eine bessere Checkout-Quote als einer mit 103? Weil der Average das Scoring misst, aber nicht das Finishing. Und beim Finishing trennt sich die Spreu vom Weizen.
Die Checkout-Quote – also der Prozentsatz der Doppelwürfe, die ins Ziel treffen – liegt bei Top-Spielern zwischen 35 und 45 %. Der Unterschied zwischen 35 und 45 % klingt klein, hat aber enorme Auswirkungen. Ein Spieler mit 45 % Checkout-Quote braucht im Schnitt 2,2 Würfe auf ein Doppelfeld, um zu checken. Ein Spieler mit 35 % braucht 2,9 Würfe. Über 15 Legs summiert sich das: Der bessere Finisher verschwendet weniger Aufnahmen und hat mehr Legs, in denen er auf hohe Checkouts gehen kann, statt bei Rest 40 oder Rest 32 zu landen.
Der 3-Dart-Average auf Weltklasse-Niveau – 100 Punkte und darüber – sagt wenig darüber, wie effizient ein Spieler auf Doppelfelder jenseits der Standardrouten checkt. Ein Spieler, der routiniert auf Bullseye oder Doppel 18 checkt, hat eine höhere Wahrscheinlichkeit, hohe Checkouts wie 140+ oder 150+ zu erzielen, weil ihm mehr Wege offenstehen. Ein Spieler, der fast ausschließlich auf Doppel 16 und Doppel 20 checkt, muss seine Restpunktzahl erst auf diese Felder herunterrechnen – und verliert dabei die Möglichkeit zu spektakulären Finishes.
Mein praktischer Ansatz: Ich schaue mir die Top-Checkouts der letzten fünf Matches eines Spielers an und zähle, wie oft er über 100 gecheckt hat. Liegt die Rate bei über 30 % seiner Legs, ist der Spieler ein starker Kandidat für Over-Wetten auf hohe Checkouts. Liegt sie unter 15 %, ist er eher ein Under-Kandidat – ein zuverlässiger Scorer, aber kein spektakulärer Finisher.
Höchstes Checkout im Match: Was die Quoten verraten
Vor zwei Jahren habe ich bei einem WM-Viertelfinale auf „Höchstes Checkout über 140,5“ gewettet – und gewonnen, weil ein Spieler einen 156er-Checkout auf Triple 20, Triple 20, Doppel 18 versenkt hat. Die Quote lag bei 2,40. Der Buchmacher hatte die Wahrscheinlichkeit offensichtlich unterschätzt, weil er die Checkout-Profile beider Spieler nicht differenziert genug eingepreist hatte.
Das höchste mögliche Checkout beim Darts liegt bei 170 Punkten – aber realistisch gesehen werden 170er-Checkouts in weniger als 1 % aller Matches erzielt. Die interessante Zone für Wetten liegt zwischen 120 und 160. In diesem Bereich gibt es genügend Varianz für attraktive Quoten, aber auch genügend Datenbasis für eine fundierte Analyse. Zwei Spieler mit guter Doppelquote in einem Best-of-5-Sets-Match mit 15 bis 20 Legs haben eine kumulative Wahrscheinlichkeit von 60 bis 70 %, dass mindestens ein Checkout über 120 fällt.
Die Quoten auf „Höchstes Checkout über 100,5“ liegen typischerweise bei 1,40 bis 1,70 – knapp bepreist, weil dieser Markt als relativ sicher gilt. Die Quote auf „Über 140,5“ liegt bei 2,20 bis 3,00 und bietet mehr Spielraum für Value-Wetten. Hier kommt die Kenntnis der verschiedenen Darts-Wettarten zusammen mit Spieleranalyse: Wer die Checkout-Profile kennt, kann diesen Markt besser einschätzen als der Durchschnittswetter.
Ein letzter Gedanke: Checkout-Märkte sind weniger liquide als Hauptmärkte, was bedeutet, dass die Quoten sich langsamer an neue Informationen anpassen. Wenn ein Spieler in der vorherigen Runde drei Checkouts über 120 erzielt hat, ist diese Information in der Match-Winner-Quote eingepreist – aber im Checkout-Markt oft noch nicht vollständig. Genau hier liegt der Vorteil für den vorbereiteten Wetter.
